Fragen an Maria

 

Aus welchem Grund kommen Klienten zu Dir?

 

Da gibt es zum einen diejenigen Klienten, die einfach mal in eine ganz andere Welt eintauchen möchten; eine Welt, die nichts mit dem Alltag und seinen Anforderungen zu tun hat. Sie wünschen sich eine Auszeit und vollkommene Entspannung. Nicht immer ist die Zeit für einen Kurzurlaub vorhanden. Sie möchten die Seele baumeln lassen und genießen. Das sind häufig Menschen, welche insbesondere in ihrer Karriere stark gefordert sind, Verantwortung tragen und es gewohnt sind, in ihrem Leben den aktiven Part zu spielen;  Menschen, die sich normalerweise um das Wohl anderer kümmern - sei es im beruflichen oder privaten Rahmen.

 

Ein anderer Teil des Klientels kommt mit einem ganz konkreten Problem zu mir, welches sie beschäftigt und an dem sie persönlich arbeiten möchten. Ich bezeichne sie gerne als die "Selbstheiler", denn man kann schon sagen, dass sie nach emotionaler Heilung suchen. Manchmal werden sie von ihrer Therapeutin / ihrem Therapeuten zu mir geschickt oder sie kommen in Eigeninitiative.

Sie haben beispielsweise einen Schicksalsschlag zu verkraften oder in der Vergangenheit eine schwere Krankheit durchgemacht. Oder sie haben Schwierigkeiten damit, den eigenen Körper anzunehmen und zu lieben, da sie in ihrer Jugend vielleicht Ablehnung und Lieblosigkeit durch andere Menschen erfuhren, vielleicht gab es  Erlebnisse von Missbrauch oder Mobbing (ja, auch Männer können - gerade in der Kindheit und Jugend- sexuellen und/oder emotionalen Missbrauch erlebt haben!). Diese Männer möchten lernen, sich wieder zu spüren, nicht nur den eigenen Körper, sondern insbesondere das Gefühl von Geborgenheit und Angenommen-sein. Um dies zu erleben und langsam wieder zu erlernen, bietet Tantra den geeigneten Schutzraum.

Schließlich gibt es noch eine kleine Gruppe von Klienten, die in ihrer Beziehung mit Freundin oder Ehefrau zwar die körperliche Befriedigung/ Sex sowie auch den geistig-verbalen Austausch bekommen, denen es jedoch an der spirituellen Komponente mangelt, also der Begegnung mit dem eigenen SELBST über den Partner. Sie spüren, dass es da noch etwas Größeres geben muss als das Alltägliche und das "mit den Augen Sichtbare" oder "Messbare". Manche haben schon spirituelle Reisen und Meditationen ausprobiert oder andere bewusstseinserweiternde Erfahrungen gemacht, möchten aber weitergehen. Insgesamt kann ich sagen, dass die meisten meiner Klienten sich selbst erfahren und spüren möchten - und zwar auf möglichst allen Ebenen ihres Seins - also, wie es so schön heißt: mit Körper, Geist und Seele; und das in einem geschützten Rahmen, in dem es ruhig und entspannt zugeht und nicht mit zwischenmenschlichen Sanktionen zu rechnen ist.

 

 

Was sollte ein Klient mitbringen, der eine Massage bei Dir erleben möchte?

 

Eine gewisse Portion Neugierde und die Bereitschaft, sich auf etwas noch Unbekanntes einzulassen. Immerhin unterscheiden sich die verschiedenen Tantra-Angebote , die es auf dem Markt gibt, sehr voneinander. Alleine schon deshalb, weil jede Masseurin/jeder Masseur ein Individuum ist und  ganz eigene "Farben" mitbringt.  Also ein bisschen Vertrauen braucht es schon, was aber nicht heißt, dass man keine Aufregung oder Unsicherheiten mitbringen darf. Die meisten Klienten sind vor dem ersten Termin zumindest ein bisschen aufgeregt, manche sogar sehr. Am besten wirkt eine Tantramassage sicherlich, wenn man sie ganz locker auf sich zukommen lässt und möglichst keine konkreten Erwartungen hat, was dabei passieren wird oder passieren soll. Ich denke, das gilt im Prinzip für alles im Leben, das neu ist.

 

 

Hast Du schon einmal einen Klienten abgelehnt?

 

Ja, nämlich dann, wenn ich spüre, dass ein Bedürfnis nach sexuellem Konsum hinter dem Massagewunsch steht. Das merke ich z.B. daran, dass ich in emails oder am Telefon Fragen hinsichtlich meines Körpers gestellt bekomme, oder wenn ich generell spüre, dass das Interesse an meinem Körper größer ist als an der Massage. Oder auch, wenn deutlich wird, dass der Mann sich nach mir als Frau sehnt bzw. überhaupt nach einer Frau und diese Sehnsucht dann von ihm auf mich projiziert wird. Das ist einer der Gründe.

Ein anderer ist respektloses Verhalten in jeder Form, dazu gehören beispielsweise die Art des Umgangs oder ein ungepflegter Körper. Aber auch, wenn ich im Vorgespräch den Eindruck habe, dass die Chemie zwischen dem Klienten und mir so gar nicht stimmt, halte ich es für besser, keine Massage zu geben. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich zwei nette Menschen gegenübersitzen und trotzdem merkt man, dass irgend etwas unstimmig ist (aus welchen Gründen auch immer). Dann macht es keinen Sinn, wenn sich beide durch eine zweistündige Massage quälen.

 

 

Du hast gesagt, dass Du ein bestimmtes Verhalten aber auch z.B. einen ungepflegten Körper nicht in Deiner Massage akzeptierst. Andererseits besagt doch die tantrische Lehre, dass alle Menschen so wie sie sind, vollkommen sind. Weil wir alle einen göttlichen Kern haben. Sollte demnach nicht jeder Mensch so akzeptiert werden wie er ist? Hast Du nicht den Anspruch an Dich selbst, jedem Menschen mit  einem offenem Herzen zu begegnen?

 

Nein, diesen Anspruch habe ich nicht an mich selbst. Ich bin keine Mutter Teresa. Es ist sehr wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und auch danach zu leben. Das gilt nicht nur für mich. Ich empfehle gerade Menschen, die sehr empathisch veranlagt sind, in Heilberufen oder nah am Menschen arbeiten, genau auf ihre Grenzen zu achten und sich nicht aus einer falsch verstanden Nächstenliebe kaputt zu machen. Und ich empfehle ebenso meinen Klienten, sehr gut auf die eigenen Grenzen zu achten und für sich zu sorgen. Damit Menschen in Frieden zusammenleben können, braucht es Werte und auch Regeln, welche diese Werte schützen. Wer beispielsweise die geltenden Regeln eines bestimmten Dienstleistungsangebots  nicht akzeptiert, der muss sich eben nach einem anderen Angebot umschauen. Ich gehe ja auch nicht in den Supermarkt, werfe meinen Müll in irgend eine Ecke und packe mir die Taschen mit Äpfeln voll ohne sie zu bezahlen, weil ich mich „gerade so fühle“. Wenn ich das dennoch tue, so muss ich mit Konsequenzen rechnen – z.B. damit, dass ich von den Kassiererinnen dort nicht mehr mit einem Lächeln begrüßt werde oder damit, dass man mir Hausverbot erteilt. Was mich betrifft, so kann ich sagen: Wer mir mit Respekt begegnet, dem werde auch ich mit offenem Herzen gegenübertreten. Allen anderen wünsche ich ehrlich, dass ihnen in diesem Leben Erkenntnis, Liebe und Erfüllung begegenen mögen, aus welcher Quelle auch immer – aber ganz sicher nicht aus meiner. ;-)

 

 

Gibt es etwas, das Du an Deinen Klienten immer wieder beobachtest; etwas, das sie vielleicht gemeinsam haben?

 

Die Klienten, die zu mir kommen,  sind unglaublich unterschiedlich, was Beruf, Interessen, Lebensgeschichte oder Wesen anbelangt. Das ist für mich immer sehr interessant. Eine Gemeinsamkeit ist, so denke ich, die große Sehnsucht nach Authentizität, und v.a. danach, sich selbst zu begegnen und sich selbst zu spüren - letztlich: sie Selbst zu sein. Interessanterweise hat eine relativ große Anzahl der Männer Schwierigkeiten damit, den eigenen Körper zu akzeptieren. Sogar sehr attraktive und selbstsicher wirkende Männer, von denen man dies nicht erwarten würde. Einige von ihnen haben Erfahrungen mit Mobbing in ihrem Umfeld gemacht oder andere traumatische Erlebnisse durchgemacht, was eine Freundschaft mit dem eigenen Körper, den eigenen Bedürfnissen oder gar der eigenen Männlichkeit nicht immer einfach macht. Ich erlebe auch immer wieder, dass Klienten mir erzählen, sie seien sehr verkopft und würden sich wünschen, mehr ins Fühlen zu kommen. Viele sehnen sich danach, sich vollkommen zu entspannen, aber haben dies mit Methoden wie Meditation oder Yoga bisher nicht immer erreichen können. Oder sie sind einfach neugierig darauf, mal etwas ganz Neues auszuprobieren.

 

 

Kann man als Empfänger einer Tantramassage überhaupt irgend etwas "falsch machen"?

 

Im Grunde gibt es kein "falsch", solange einem Individuum die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis nicht vollkommen fehlt, denke ich.

Aber was ich tatsächlich schade finde (weil es meiner Meinung nach den Sinn einer solchen Massage verfehlt), ist die Suche nach äußerer Stimulation bzw "Entertainment" in einem Tantra-Ritual. Denn Entertainment oder Stimulation, die wir über unsere Sinne erleben, ziehen uns immer "aus uns selbst heraus", holen uns "von uns selbst weg" - also vermögen sie es auch niemals uns "zu uns SELBST" bringen. Und das hindert uns daran, in diese "etwas andere" Bewusstseinsfrequenz der Zeitlosigkeit und der eigenen Grenzenlosigkeit einzutauchen, welche wir in unserem Alltag meist ohnehin nicht oft betreten (können) so wie das die Yogis machen, die darin geübt sind. Manche Menschen nennen diesen Bewusstseinszustand  "Alles was ist" oder "Gott/Göttin" , "Unendlichkeit" oder "Flow". Ganz egal, wie man diesen Zustand auch nennen will, es ist kein esoterisches Gerede, sondern ein wunderschöner Ort, an dem das Suchen und das Fragen aufhört.

So bleibt auch so mancher Tantriker auf ewig ein "Suchender", welcher sich von einer sinnlichen Stimulation zu nächsten bewegt. Aber das ist natürlich nicht "falsch"; man kratzt dann einfach mehr an der Oberfläche herum statt in die Tiefe eines Ozeans einzutauchen.

 

Ein weiterer Punkt, der mich ab und zu nachdenklich stimmt, ist die starke Tendenz einiger Klienten, ihre Sehnsüchte auf mich zu projizieren. Das ist übrigens ein verbreitetes Phänomen, von dem nicht nur Masseurinnen ein Lied singen können, sondern sehr viele, die sich in therapeutischen Berufen befinden  oder allgemein in Tätigkeitsfeldern, welche sich nah am Körper und an den Emotionen der Menschen abspielen. Menschen kommen mit einer großen Sehnsucht zu uns, oft gepaart mit Orientierungslosigkeit oder einem Gefühl von innerer Leere oder Einsamkeit. Und ganz ehrlich: wer von uns kennt diese Phasen eigentlich nicht? Ich denke, im Grunde zeigt sich auch da wieder die Suche nach dem  "SELBST", also danach, wer wir wirklich sind, jenseits vom "Ich", von den Prägungen durch Familie und Gesellschaft und jenseits von den ganzen Rollen und Rollenerwartungen, Anforderungen und Ablenkungen des Lebens. Dann ist da die Masseurin, die einen mit offenen Armen empfängt, die im besten Fall sehr herzlich ist, die sich Zeit nimmt, die zuhört und Verständnis aufbringt. Als wäre das noch nicht genug, schwebt sie auch noch in ihrem Lunghi durch die Räume, lächelt und gibt eine sinnlich-berührende warme Massage mit ihren Händen. Man(n) darf sich fallenlassen und einfach nur  "sein". Für einige Menschen ist das eine wirklich heftige Erfahrung. Sie denken sich: "Danach habe ich doch schon die ganze Zeit gesucht! Warum habe ich das so nie in meinen Beziehungen erleben dürfen?".

 

 

Es geht also gar nicht unbedingt um die Begegnung mit Dir?

 

Jedenfalls nicht primär. Ich kann jedoch ganz bestimmt als eine Art Wegbegleiter für die Dauer der Massage dienen. Ich kann den Raum für die Begegnung mit Dir selbst schaffen und offen halten. Den Weg gehen darfst Du selbst. Doch natürlich ist eine gewisse Sympathie zwischen der gebenden und der empfangenden Person ganz wichtig. Denn obwohl es nicht vordergründig um die Beziehung zwischen Masseurin und Klient geht, bleibt es doch immer auch eine Begegnung zwischen zwei Menschen.

 

 

Du hast das Phänomen der Projektion angesprochen - gab es denn schon Klienten, die glaubten, sich in Dich verliebt zu haben?

 

Ja, das ist tatsächlich schon passiert. Abgesehen davon bekomme ich immer mal wieder das Angebot, mich zusätzlich zu regelmäßig gebuchten Massagen privat zu Gesprächen und Freizeitaktivitäten zu treffen, also im Grunde so etwas wie eine  „Tantra-Beziehung“ zu führen, wenn man so will. Und das geht natürlich nicht. Allerdings bin ich mir darüber im Klaren, dass jene Klienten nicht für mich das Verliebtsein oder die Zuneigung empfanden, sondern für das Bild, das sie sich von mir in ihrem Kopf erschaffen hatten - und das vermutlich so gar nicht der Realität entsprach. Viele von uns haben diese Sehnsucht nach einer tiefen Verbindung, also nach echter Intimität mit einem anderen Menschen. Dieses miteinander-Verschmelzen und Verstanden werden ist ein Idealbild, von dem ganze Dienstleistungs- und Industriezweige leben. Und wir sind immerhin eine soziale Spezies; das heißt, dass unser Wohlbefinden zum größten Teil von der Qualität unserer Beziehungen abhängig ist. Viele von uns führen aber ein ziemlich abgeschottetes Dasein, leben nur für den Job oder den Konsum und das bildet einen harten Kontrast zu den eigentlichen (wahren) Bedürfnissen. Dementsprechend ist es ganz normal, dass es manchmal zu diesen Projektionen kommt. Letztlich sehnt sich ganz bestimmt jeder Mensch danach, einen Seelenpartner zu haben, sogar die absoluten Einzelgänger. Und ich wette, es gibt keinen Erwachsenen, der nicht schon einmal irgend ein Bedürfnis auf einen anderen projiziert hat. Auf keinen Fall sollte sich irgend jemand dafür schämen. Nobody is perfect - und wir sind alle hier um uns zu erfahren und um zu lernen.

 

 

Könnte man Dich überhaupt persönlich kennenlernen?

 

Eine Freundschaft oder Bekanntschaft schließt die Begegnung auf der Massagematte vollkommen aus und umgekehrt. Wenn mich ein Klient kennenlernen wollte, dann müsste ich das erstens auch wollen (ist natürlich vom Einzelfall abhängig) und zweitens würde ich ihm dann keine Massagen mehr geben können.

 

 

Würdest Du sagen, dass die Tantramassage eine bewusstseinserweiternde Erfahrung ist?

 

Bewusstseinserweiterungen habe ich immer dann, wenn ich mir einer Sache bewusst werde, die vorher im Dunkeln war, also im unbewussten Raum meines Seins. Das Erweitern dieses Bewusstseins kann in allen möglichen Situationen geschehen und ist zunächst unabhängig von bestimmten Praktiken oder Stoffen. Es hat viel mehr etwas mit mir selbst zu tun und damit, wie weit ich etwas an mein Bewusstsein heranlassen kann. Tantra kann zu einer solchen Erfahrung werden, muss es aber nicht. Denn wie die Massage erlebt wird, liegt nach meiner Erfahrung zu 90% am Empfänger. Was kann ich überhaupt zulassen, wofür ist die Zeit reif und wofür ist sie noch nicht reif? Ich hatte schon sehr begeisterte Rückmeldungen nach der Massage aber auch solche, in denen es hieß: "Es war ganz nett, doch irgendwie hatte ich es mir spektakulärer vorgestellt." Wer auf eine rein sinnliche Stimulation aus ist, wird, wie schon mehrfach erwähnt, (zumindest bei mir) wohl eher enttäuscht werden. Diese Klienten kommen nur ein einziges Mal zu mir und widmen sich dann in der Regel "härteren Drogen".

 

 

Gibt es etwas, das Dir an Tantra nicht so gut gefällt?

 

Ich finde es problematisch, dass sich hinter dem Begriff alles Mögliche verbergen kann. Das ist ungefähr so, wie wenn jemand ein bestimmtes Gewürz auf einem Markt anbietet, welches man kaufen und dort abholen kann, doch verrät er nicht, um welches der tausenden Gewürze dieser Erde es sich eigentlich handelt. Das ist spannend, aber nicht jeder möchte gerne die Katze im Sack kaufen. Außerdem ärgert es mich natürlich, dass der Ruf von wirklich hervorragenden und ganzheitlichen Tantra-Angeboten durch die wachsende Anzahl von Prostituierten, welche ihre Dienste unter demselben Begriff anpreisen, diskreditiert wird. Den Begriff Tantra zu schützen, halte ich allerdings nicht für sinnvoll.

 

 

Was sagst Du zu denen, die meinen, bei Tantra ginge es nur um Orgasmen?

 

Ich würde ihnen durchaus Recht geben, denn es geht ja bei sehr vielen Tantra-Angeboten tatsächlich um den Orgasmus. Man erkennt diese Angebote  z.B. daran, dass sehr kurze Massgedauern von 60, 30 oder gar 20 Minuten angeboten werden. Das ist wirklich ein Witz und hat auch nichts mehr mit Menschenwürde zu tun. Übrigens: Wenn sich meine Massage um das Erleben von Orgasmen drehte, dann würde ich ganz sicher nicht zwei Stunden und länger unter vollem Körpereinsatz und Einbeziehung meines energetischen Wirkens den ganzen Menschen massieren.

 

 

Was empfindest Du persönlich, wenn Du eine Massage gibst?

 

Ich habe das Gefühl, ein unendlicher Fluss zu sein, der fließend in Bewegung ist und energetische Punkte verbindet und ausgleicht. Das ist ein sehr schönes Gefühl, manchmal auch ein sinnliches. Das energetische und berührende Arbeiten, ist etwas, das ich sehr mag. Vom Bewusstseinszustand ist es ähnlich einer Meditation oder einem leichten Trancezustand. Gleichzeitig ist die Massage für mich körperliche  Schwerstarbeit, weswegen ich oft nur eine oder zwei Massagen in der Woche geben kann. Ich führe das darauf zurück, dass jeder Kient mit "seinem Päckchen" zu mir kommt. Ich spüre dies auf unbewusster Ebene und das ist nicht immer einfach, muss ich sagen. Viele sind derart erschöpft und ausgebrannt, oft, ohne es zu wissen. Das überträgt sich einfach auf mich. Danach bin ich meist sehr ausgepowert und brauche erstmal eine Auszeit. Es ist so ähnlich wie nach einem Marathon – ich bin zufrieden, aber sehr erschöpft. 

 

 

Hat Dich schon einmal eine Massage erregt?

 

Ich könnte jetzt aus marketingtechnischen Gründen ja sagen. Aber das wäre einfach nicht ehrlich. Tatsächlich haben mich nackte Menschen noch nie besonders bewegt. Natürlich hat die Massage einen sinnlich- ästhetischen Aspekt, aber Erregung oder Erotik sind für mich etwas ganz anderes. Wenn ich einen Menschen kennenlerne und mich sein Wesen bezaubert, wenn wir gemeinsam durch die Höhen und Tiefen des Lebens gehen und mit der Zeit eine Herzenverbindung wächst, dann ist das für mich die ultimative Basis für Erotik. Aber selbst dann ist sie nicht garantiert und es könnte genauso eine platonische Verbindung daraus werden. Bevor mich jemand erregt, müssen jedenfalls viele verschiedene Faktoren zusammenkommen. Ein paar Gespräche oder Nacktheit reichen da nun wirklich nicht aus.

Ein kleiner Tipp von mir: Frag doch mal einen Physiotherapeuten, eine Orthopädin oder einen Gynäkologen, ob ihn/sie die Nacktheit der eigenen Patienten sexuell erregt! Er/sie wird sich ganz bestimmt sehr für diese Frage bedanken ...

 

 

Was war das Verrückteste, das Du im Zusammenhang mit der Tantramassage erlebt hast?

 

Es gab einmal einen Klienten aus der Schweiz, der die Idee hatte, sich dreimal pro Woche mit dem Hubschrauber einfliegen zu lassen um von mir eine Massage zu bekommen. Er wollte auf diese Weise seinem Stress als Geschäftsmann entkommen. Das ganze Vorhaben scheiterte aber schon alleine daran, dass sich die Planung und Durchführung als ein für ihn viel zu großer Stressfaktor erwies, noch bevor wir es überhaupt ausprobieren konnten. Es war auch ganz gut, dass es nicht erst dazu kam, denn ich hatte kein sehr gutes Gefühl bei der Sache. 3x pro Woche eine Tantramassage zu bekommen, ist für einen Menschen viel zu viel. Das energetische System braucht nämlich immer etwas Zeit, um eine Massage zu "verdauen". Ich würde ein solches Angebot aus diesem Grund heute sofort ablehnen. Außerdem möchte ich nicht, dass auf diese Weise eine emotionale Abhängigkeit entsteht.

 

 

Und gab es etwas, das Dich im Rahmen Deiner tantrischen Arbeit besonders berührt hat?

 

Ja, da gab es mehrere Erlebnisse, die ich hier aber nicht preisgeben möchte um die Privatsphäre der betreffenden Personen zu schützen.

Aber soviel ist mir erlaubt zu sagen: Ein Klient hatte in seiner Kindheit emotionale und körperliche Misshandlungen durch verschiedene Personen erlebt. Er hatte ein ganz schlechtes Verhältnis zu seinem Körper, er hasste ihn regelrecht und es fiel ihm schwer, in diesem Körper zu leben und sich mit ihm in dieser Welt frei zu bewegen. Er ging z.B. nie ins Freibad, trug sogar im Sommer langärmlige Kleidung und vermied jede Art von körperlicher Nähe, die über flüchtige Umarmungen hinausging. Für ihn war dieser Zustand wie ein inneres Gefängnis, in dem er saß. Seine Psychologin hatte dann die Idee, er könne doch einmal eine Tantramassage ausprobieren. Die therapeutische Arbeit der Psychologin, ergänzt durch die Tantramassage, half ihm, seinen Körper mehr und mehr zu akzeptieren. Der Selbsthass, der ihn so gequält hatte, ließ deutlich nach und er erkannte, dass es keine schlimmen Konsequenzen hatte, wenn er sich mit seinem Körper frei in dieser Welt bewegte und ihn in "ungefährlichen" Situationen auch zeigte. Vor einiger Zeit schrieb er mir, er habe sich frisch verliebt und könne ganz vorsichtig (zum ersten Mal in seinem Erwachsenenleben) körperliche Nähe zulassen und sogar genießen.